Montag, 14. September 2015

{Konditorausbildung} ... vom Hobby zum Beruf!

Hallo meine Lieben, so wie bereits angekündigt, kommen heute ein paar Worte über meinen Weg vom Jura-Studium hin zur Konditorausbildung. 

Der Entschluss

Lasst mich dazu etwas ausholen. Im Jahr 2012 habe ich meine Leidenschaft fürs Backen entdeckt. Ich war zu dem Zeitpunkt in der 12. Klasse und stand kurz vor meinem Abitur. Meine Mutter hat mir damals einen Tortissimo-Katalog mitgebracht und ich war von den ganzen Produkten rund um das Thema Tortendekoration so geflasht, dass ich das unbedingt auch machen wollte. Also habe ich nach der Schule, als Ausgleich zum ganzen Abi-Stress so zusagen, viel gebacken, viele Backblogs gelesen Youtube-Videos geschaut und sehr viel ausprobiert.

Nach bestandener Abi-Prüfung wurde es dann ernst: 
"Abi bestanden, was nun? Wohin? Studium? Lehre? Erste eigene Wohnung,......

Leider hatte ich zu dem Zeitpunkt noch so gar keinen Plan, was ich später einmal machen wollte. "Rechtskunde hat mir immer Spaß gemacht und ich war seht gut darin. Wie wäre es denn mit einem Jura-Studium?"
Relativ spontan habe ich mich also dazu entschlossen und im Oktober mein Studium in Halle begonnen. Die ersten beiden Semester hat es mir auch sehr viel Spaß gemacht, allerdings lies dieser mit der Zeit nach und ich verbrachte mehr Zeit zu Hause vor dem Herd, als in der Uni. Und wenn ich in der Uni war, habe ich die Zeit dazu genutzt um an meinem Blog zu schreiben oder mir irgendwelche Backvideos anzuschauen.



 Dies ließ ich eine ganze Weile so laufen, bis ich mir irgendwann die Frage gestellt habe: 
" Was mache ich hier eigentlich? Ist doch Blödsinn, etwas zu studieren, was mir keinen Spaß macht."
 Wäre es ein Bachelor-Studienganz gewesen hätte man sich wahrscheinlich den Rest der Zeit durchbeißen können, damit man erst einmal einen Abschluss hat, aber bei Jura ist das leider nicht der Fall und ich hätte noch 3 Jahre weiter studieren müssen und in diesen 3 Jahren könnte man genauso gut eine neue Lehre beginnen und ist genauso schnell fertig, als wenn man sein Studium beendet hätte. Aus diesem Grund habe ich mich dann auch relativ spontan dafür entschieden mein Studium abzubrechen um mein Hobby zum Beruf zu machen.

Die Bewerbungsphase

Da ich mich, wie für mich üblich -.- , mal wieder relativ spontan entschlossen habe, war meine Bewerbung auch recht kurzfristig.
Ich habe das Internet nach Stellen durchforstet, in der Handwerkskammer angerufen, Freunde und Bekannte gefragt,... wie man das halt so macht. Anfang / Mitte Juli habe ich dann begonnen mich zu bewerben. Ich habe zunächst in den Konditoreien angerufen, gefragt ob der Ausbildungsplatz noch frei ist und wenn ja wann ich zum Bewerbungsgespräch vorbei kommen kann.
Worauf ihr bei der Wahl eures Betriebes achten solltet:
Mir persönlich war es wichtig, dass ich in einem Betrieb lerne, wo ich möglichst viele Bereiche des Konditorhandwerks kennen lernen kann. Denn ein Konditor stellt ja nicht nur Torten her. In sein Tätigkeitsfeld fallen ja auch viele viele andere Sachen, so zum Beispiel das Herstellen von Eis, Baumkuchen, Pralinen, das Arbeiten mit Zucker und Marzipan, aber auch das Herstellen von Teigen und Massen, Blätterteig, Plunder,....
Also achtet darauf, dass euer Betrieb sich möglichst nicht nur auf ein Gebiet spezialisiert hat.

Außerdem solltet ihr gucken, dass der Betrieb nicht so extrem automatisiert ist. Dies ist nämlich bei einigen meiner Klassenkameraden der Fall. Deren Tätigkeit besteht hauptsächlich darin Brötchen vom Band zu nehmen, Kuchen zu belegen,... Demzufolge lernen sie sehr wenig von den Tätigkeiten, die ein Konditor normalerweise macht. So kommt es dann dazu, dass sie im 3. Lehrjahr noch keine Torte eingestrichen haben oder ordentlich mit dem Spritzbeutel umgehen können.

Zum Gespräch hatte ich dann meine Bewerbungsmappe dabei und auch noch ein Album mit meinen schönsten Torten, Cupcakes,... halt Allem, was ich bis dato so gemacht habe.

Das Album kam ziemlich gut an. Also wenn ihr euch irgendwo bewerbt, scheut euch nicht davor Fotos von euren Werken zu zeigen, natürlich sind sie noch nicht perfekt, aber das macht gar nichts. Deswegen wollt ihr ja die Ausbildung machen.

Im Bewerbungsgespräch haben wir dann am Ende ein Probearbeiten vereinbart. Dies fand ein paar Tage später statt.

Das Probearbeiten

An diesem Tag habe ich Sahnetorten eingesetzt, Pralinen gefüllt, Sahnetorten ausgarniert, Bruchschokolade hergestellt... und vieles mehr.




Nach dem Probearbeiten hat sich die Chefin noch mal erkundigt, wie es mir gefallen hat und ob ich nach diesem Tag immer noch entschlossen bin, Konditorin zu werden. Sie wollte sich dann noch einmal mit ihren Konditoren besprechen und mich dann anrufen, sobald sie sich entschieden hat und was soll ich sagen. Nach kurzer Zeit hat sie dann auch angerufen und ich hatte meine Lehrstelle als Konditorin.

Die Ausbildung verkürzen

Generell solltet ihr, wenn ihr die Ausbildung verkürzen wollt, dies im Voraus mit eurem künftigen Arbeitgeber besprechen. Da es bei mir jedoch alles recht kurzfristig war und ich anfangs gar nicht wusste, dass man so problemlos verkürzen kann, habe ich das erst 2-3 Wochen nach Ausbildungsbeginn mit meiner Chefin besprochen.

Generell dauert die Konditorausbildung 3 Jahre. Die Lehrzeit kann man jedoch aus bestimmten Gründen verkürzen. Zum Beispiel wenn man, wie in meinem Fall, Abitur gemacht hat, kann man die Ausbildung um 12 Monate verkürzen, das heißt man steigt dann im 2. Lehrjahr ein.
Arbeitgeber und Auszubildende müssen nur gemeinsam einen Antrag stellen und das Abiturzeugnis vorlegen.

Des Weiteren kann man, wenn man besonders gut ist, einen weiteren Antrag auf Verkürzung stellen und am Ende der Ausbildung noch einmal ein halbes Jahr verkürzen, sodass die kürzeste Konditorausblidung 11/2 Jahre beträgt.

Meiner Meinung nach ist das Verkürzen aus schulischer Sicht für Niemanden, der Abitur hat, ein Problem, da man das 1. Schuljahr sehr leicht nachholen kann. Was man sich jedoch fragen sollte ist, ob man in praktischer Hinsicht schon soweit ist.

Die Arbeitszeiten

Die Arbeitszeiten von Konditoren sind sehr unterschiedlich je nachdem in was für einer Konditorei man gelandet ist.
Ich arbeite zum Beispiel ein halbes Jahr von Dienstag-Freitag von 5.15h-13.45 und am Samstag von 4.15h an
und das andere halbe Jahr Montag-Freitag von 5.15h-14.35h. Wenn besonders viel zu tun ist oder besondere Feiertage sind, kann es auch mal passieren, dass wir um 1, 2 oder 3 Uhr anfangen. Das ist aber nicht die Regel.
Es kann jedoch auch passieren, dass ihr in Schichten arbeiten gehen müsst, Nachtschicht habt, um 12.00h Mittags oder auch erst um 18.00h abends anfangt. Denn viele Konditoreien betreiben auch "Fressstände" auf Märkten, zu Festen, oder oder oder :P

Was ich euch auf jeden Fall sagen kann ist, dass ihr unter Garantie auch am Wochenende und an Feiertagen arbeiten müsst. Wer damit ein Problem hat, sollte sich nach einem anderen Job umschauen.

Der Lohn

Ja, was soll ich sagen. Am Besten seht ihr selbst. 
Die Ausbildungsvergütung ist je nach Bundesland unterschiedlich. Hier in Sachsen-Anhalt solltet ihr euch eher an den linken Zahlen orientieren. Wie es in anderen Bundesländern so ist, kann ich euch leider nicht sagen.

1. Ausbildungsjahr: 265-430€
2. Ausbildungsjahr: 285-550€
3. Ausbildungsjahr: 315-670€

Mein Lohn reicht gerade für den Sprit den ich verfahre um zur Arbeit zu kommen. Aus diesem Grund habe ich einen Minijob nebenbei. Klar ist es anstrengend, aber eine Ausbildung dauert ja auch nicht ewig. :P Also wenn Konditor euer Traum ist, dann macht es. Es gibt immer irgendwo Wege und Tricks und 3 Jahre gehen schneller rum, als ihr denkt.

Die Berufsschule



Bei mir verhält es sich so, dass ich 4 Wochen arbeiten gehe und dann 2 Wochen Schule habe. Dies finde ich sehr angenehm. Das ist aber auch von Bundesland zu Bundesland verschieden.
In der Schule haben wir die Lernfelder 1-14 (verteilt auf die 3 Ausbildungsjahre), Fachpraxisunterricht und in den ersten 2 Jahren noch Mathe, Deutsch, Englisch, Sozialkunde und Sport. Jetzt im 3. Lehrjahr sind Englisch und Sport weggefallen.

Es werden Tests und Arbeiten geschrieben, manchmal muss man Vorträge halten,... Schule halt.

Joa was lernen wir so?

Unterweisen eines neuen Mitarbeiters
Herstellen einfacher Teige und Massen
Gestalten / Werben / Beraten und Verkaufen
Herstellen von Feinen Backwaren aus Teigen

Herstellen von kleinen Gerichten
Herstellen von Feinen Backwaren aus Massen
Herstellen von Füllungen, Cremes und Süßspeisen
Entwerfen und Herstellen von Torten und Desserts

Verarbeiten von Zucker
Arbeiten mit Marzipan
Herstellen von Erzeugnissen mit/aus Kuvertüre
Herstellen von Speiseeis
Herstellen von Spezialgebäcken
Planen und Durchführen einer Aktionswoche

Das sind die Lernfelder aufgeteilt auf die 3 Lehrjahre. Wer im 2. anfängt muss halt den Stoff aus dem 1. nachholen.

Nach 1 1/2 Jahren erfolgt dann die Zwischenprüfung. Diese besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil.

Zu unserer Zwischenprüfung mussten wir Blätterteig herstellen. Und aus diesem dann süße und herzhafte Teilchen fertigen. Die Herzhaften gefüllt mit einer Hackfleischfüllung und die Süßen mit einer Vanillecreme und Früchten.
Außerdem mussten wir Spritzkuvertüre anrühren, unseren Namen auf ein Marzipanschild schreiben und eine Randgarnierprobe aufspritzen.


 


Die schriftliche Prüfung besteht aus einem Multiple Choice Test und einem Schreib- und Gestalten-Teil. Soweit ich mich erinnern kann mussten wir etwas über Brandmasse, Wiener Masse im 2-Kessel-Verfahren und saisonales Obst sowie Betriebs- und Personalhygiene schreiben. Und ein Spruchband mit der Garnierblockschrift beschriften.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern soll unsere Zwischenprüfung ziemlich leicht gewesen sein, hab ich mir sagen lassen :P

Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung



Die ÜLU ist dazu gedacht, um die betriebliche Ausbildung zu ergänzen. Dort werden einem Sachen beigebracht, die man im normalen Betrieb nicht macht bzw die nicht so alltäglich sind wie zum Beispiel Zucker gießen, Eis herstellen oder oder oder.
Diese dauert insgesamt 4 Wochen. 2 im 2. Lehrjahr und 2 im dritten.


  

 


Joa ich glaub das war erstmal das Wichtigste. Wenn ihr noch weitere Fragen habt, stellt sie mir einfach in den Kommentaren :)

Kommentare:

  1. Huhu,
    das klingt alles super spannend und da hast du sicherlich die richtige Wahl getroffen :)

    Als du von der ÜLU geschrieben hast musste ich gerade etwas schmunzeln :D Ich arbeite nämlich bei der Handwerkskammer (aber in der Verwaltung, hab hier meine Ausbildung gemacht) und zwar an einem der beiden Standorte bei denen bei uns die ÜLU durchgeführt wird. Wir haben hier u.a. auch Bäcker und Konditoren. Ist auch immer spanend zu sehen was die machen oder auch die anderen Berufe :)

    LG

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liest sich ganz gut ich habe auch mal daran gedacht Konditor zu werden bin allerdings dann doch bei meinem Beruf geblieben (ich hab Elektronikerin gelernt) weil ich mir unsicher war ob es so gut ist mein Hobby zum Beruf zu machen zumal ich meinen Beruf eigentlich wirklich mag und nur gerade eine schwere Zeit durchmache (und ich verdiene mindestens das dreifache :-) ) ich biete jetzt meine Backkünste Freunden und Verwandte an und tobe mich da immer aus sehr zur Freude meines Freunds.
      Viel spass noch in deiner Ausbildung und poste bitte ein Bild von deinem Gesellenstück wenn du kannst.

      Löschen
    2. :D ist ja witzig :) ja spannend ist das bestimmt :) Mir hat es echt Spaß gemacht bei der ÜLU. Im Februar fahre ich wieder


      @Nijura. Wenn dir dein Beruf Spaß macht und das Backen dir als Hobby reicht, ist doch auch alles prima :)

      Liebe Grüße

      Löschen
  2. Echt witzig - du sprichst mir so unglaublich aus der Seele! :)
    ...abgesehen davon, dass ich die andere Abzweigung genommen habe und Jura treu geblieben bin :D

    Ich habe oft mit mir gerungen (insbesondere in der Examensvorbereitung, da liegen die Nerven wirklich blank) und mir gedacht "Scheiß drauf, ich schmeiß alles hin und mach auch die Konditor-Ausbildung", aber dann war ich schon so weit und hab es doch noch durchgezogen ;)

    Ich verfolge deinen Blog schon länger und hab auch schon ein paar Rezepte nachgebacken - mein kleiner Blog (http://suessesleibgericht.blogspot.de/) ist allerdings nicht ansatzweise so professionell wie deiner ;)

    Das Backen (und "bloggen", wenn man das so nennen kann :D) bleibt also erstmal mein Hobby - und zwar das schönste Hobby der Welt ♥

    Ganz liebe Grüße - und ich freu mich immer, von dir zu lesen! :)
    Lisa

    AntwortenLöschen